Hallöchen :-),
tut mir leid, dass ich euch solange hab warten lassen, aber ich hatte viel um die Ohren...
Nun fange ich einfach mal an......
Die Vorweihnachtszeit war eigentlich kaum zu spüren. Es war zwar kalt und die Berge waren auch voller Schnee, aber der Weihnachtsmarkt fehlte mit dem leckeren Eierpunschvom Hühnerstall und natürlich Schmalzkuchen. Die Geschäfte wurden nun immer mehr geschmückt, allerdings anders als bei uns. Alles war viel bunter, aber auch kälter dadurch. In den Wohnhäusern, vorallem bei mir in der Gegend, waren kaum Weihnachtbäume geschweige denn überhaupt Weihnachtsschmuck, Beleuchtung in den Fenstern oder Vorgärten. Da waren meine Erwartungen doch ein wenig höher gewesen. Zum Glück wurden die Hochhäuser immer weihnachtlicher und solangsam kam dann doch ein wenig das Gefühl an Weihnachten auf.
Während dieser Zeit zog endlich Adrian aus und Peter, mein neuer seeeehr schwuler Mitbewohner, ein. Über ihn kann man sich nur totlachen. Er kommt aus Prag und kann aber sehr gut Englisch. Er telefoniert jeden Tag stundenlang und wundert sich dann über seine hohe Telefonrechnung. Nun ja, hier muss man auch einkommende Anrufe bezahlen.....also quasi doppelt. Dann hatte er mächtig Schwierigkeiten eine Glühlampe in seinem Zimmer zuwechseln und probierte es bei uns im Flur, worauf er prompt die ganze Lampe in den Händen hielt und sie nur noch an drei Kabeln hing. Eine sehr lustig Aktion. Jedenfalls ist es doch sehr schwul und beschwert sich jedes Mal über all das Fett und die Kalorien im Essen...er kauft natürlich nur Organic :-D (BIO) und hat seine Eier in einer Tetraschachtel schon fertig gerührt. Er putzt auch gerne um 2200' Uhr abends sein Zimmer und fegt einmal quer die Wohnung. Ich komme eigentlich schon gar nicht mehr aus dem Lachen raus. Eigentlich ist er ganz nett, abgesehen von der Tatsache, dass er so langsam spricht, dass ich den ersten Teil vom Satz schon wieder vergessen habe, bis der letzte Teil folgt. :-D
Gott sei Dank, sind meine anderen beiden Mitbewohnerinnen normal und super nett. Gwen hat sich auch als eine total liebe Person herausgestellt und sie bringt einen immer mit ihrer lockeren und lustigen Art zum Lachen. Man kann sich auf sie verlassen und sie ist auch zum Glück ordentlich, was man von ihrer Vorgängerin Caroline nicht behaupten konnte. Leider ist sie kaum Zuhause, da sie viel arbeiten muss und sich die meiste Zeit in der Bibliothek aufhält, um weiter zu studieren.
Eigentlich haben wir noch einen fünften Mitbewohner...eine kleine braune Maus, sie hat sich bei uns eingeschlichen und möchte auch gar nicht mehr raus. Verständlich...es regnet ja auch nur... so begegnet man sich gerne nachts und bekommt auch jedes Mal einen kleinen Schreck... aber eigentlich ist sie ganz niedlich... sie geht auch ungewöhnlicherweise nicht ans Essen oder hinterlässt irgendwas kötteliges. Sie ist mal kurz eine Nacht da, und dann sieht man sie wieder tagelang nicht.
Antje und ich gehen immernoch regelmäßig Sushi essen und nehmen Gwen auch mit, wenn sie Zeit hat. Auch versuchen wir noch viel zu unternehmen, auch wenn es das Budget, das Wetter und auch die Gesundheit kaum zulässt...irgendwas findet sich immer.
Im letzten Bericht habe ich von meiner "Blasenentzündung" berichtet...das wohl doch etwas voreilig...denn die Tabletten haben nicht geholfen und ich war in der Nacht schon wieder voller Schmerzen. Also machte ich mich am nächsten Morgen sofort auf ins Krankenhaus, um mich dort untersuchen zulassen und einen Ultraschall machen zulassen. Das taten sie auch alles, untersuchten mein Blut und fanden auch auf dem Ultraschall nichts. Sie gaben mir Tabletten, in der Hoffung meine Schmerzen würden besser werden und alles wäre wieder gut..so konnte ich dann nach 4 Stunden ohne Ergebnis und mit 360 Dollars (nur für die Untersuchung im Krankenhaus) weniger in der Tasche nach Hause fahren...aber immernoch mit Schmerzen. Ich war einfach nur noch fertig und wusste nicht was ich noch tun sollte. Nicht einmal im Krankenhaus konnten sie mir helfen und waren so hilflos dort...kaum zuglauben. Am selben Abend (Vancouverzeit) und kurz vor 8 Uhr morgens (Braunschweigerzeit) telefonierte ich dann mit meinem Papa. Ich erzählte ihm die ergebnislose Story und er schnappte prompt den Laptop und fuhr zu Herrn Dr. Kellner. Per Webcam und Mikrofon fragte er mich nach meinen Symptomen und wie und wann das alles angefangen hätte. Für ihn war die Sache klar...ein Darmvirus....er sagte mir die Medikamente, die ich nehmen sollte (hatte ich zum Glück in meiner Reiseapotheke) und die Dauer. Gesagt..getan..es war weg...keine Schmerzen mehr. Da kann man mal sehen, wie schlecht die Ärzte hier sind, und nicht mal einen Darmvirus erkennen, und ein sehr guter deutscher Arzt das per Ferndiagnose erkennt.
Nochmals vielen vielen Dank für die schnelle und vorallem helfende Hilfe Herr Dr. Kellner!!
Doch der nächste Schock folgte wenig später...Antje klagte schon sehr lange über Rückenschmerzen und am 16. Dezember, als wir gerade morgens zur Arbeit fahren wollten passierte es....nach dem Schuhe anziehen, kam sie nicht mehr aus dem Kreuz hoch. Als sie nach einer ganzen Weile wieder stand musste sie sich festhalten, da ihre Beine zusammensackten. Ich musste leider zur Arbeit, weil bei mir eh schon die Gefahr bestand gekündigt zuwerden, weil ich über eine Woche nicht arbeiten konnte, eben durch meine Krankheit (Darmvirus). Glücklicherweise war Gwen da und sie rief einen Krankenwagen. Antje wurde dann stundenlang im Krankenhaus mit Schmerzmitteln versorgt, nach meiner Arbeit rief sie mich an und sagte, dass sie noch immer im Krankenhaus sei und auf das CT wartete. Am Ende stellte sich heraus, dass sie einen Bandscheibenvorfall hat, und blieb zur Beobachtung noch die Nacht im Krankenhaus. Am nächsten Tag, konnte sie nach Hause...kaum möglich ohne Hilfe...aber es ging alles gut. Die nächsten Tag lag sie dann nur noch und nahm starke Medikamente. Mittlerweile hat sie sich einigermaßen erholt. Leider hat sie dadurch auch ihren Job verloren, obwohl sie so oder so hätte kündigen müssen, da sie hier keine Möglichkeit hat, eine Ergo-Therapie zumachen, geschweige denn das Geld dafür. Sie hat sich Anfang Januar entschieden, nach Hause zufliegen...es ist wirklich das Beste...die Gesundheit geht vor....aber ich werde sie ganz doll vermissen..
Am 18. Dezember war es dann soweit, die Ankunft meiner Eltern stand bevor und ich freute mich riesig. Mehr als 3 Monate war es her, dass ich sie in die Arme genommen hatte. Ihre Ankunftszeit war 13.50 Uhr und somit ging ich morgens noch zur Arbeit. Das wussten meine Eltern auch und gingen davon aus, dass ich nicht die Möglichkeit hatte sie abzuholen...hihi....sie wussten allerdings nicht, dass ich 1,5 Stunden früher von der Arbeit ging als sonst und es somit leicht zum Flughafen schaffte. Ich hatte dort noch eine Menge Zeit, bis sie herauskamen. Ich machte Fotos, trank einen Kaffee und schaute nach ihnen. Als ich sie sah, versteckte ich mich hinter einem Kamaramann, so dass sie mich nicht gleich sehen konnten...und dann sprang ich quasie vor sie. Sie haben sich sehr gefreut und die Tränchen kullerten bei uns Dreien. Es war ein tolles Wiedersehen :-).
Wir haben sehr viel unternommen, wenn es das Wetter zugelassen hat. Ich werde hier nicht weiter darauf eingehen, weil sonst der Text viieeel zu lange werden würde und ihr das Meiste bei "The Visitors" nachlesen könnt. Wichtig war, das wir Weihnachten und Silvester zusammen feiern konnten und ich ihnen eine Menge aus meinem neuen Leben zeigen konnte. Es war komisch, als sie das erste Mal in meinem Zimmer standen und quasi die andere Seite der Webcam sehen konnten. Ich zeigte ihnen alles, wo ich schon gewesen bin. Die beiden Sushirestaurants, welche ihnen auch sehr gefielen...einfach alles was ich die letzten Monate gemacht habe. Am 15. Januar hieß es dann Abschied nehmen....es war komisch sie zum Flughafen zubegleiten und dann allein wieder nach Hause zufahren...also hier zubleiben. Aber man ist ja Gott sei Dank nicht aus der Welt..wie gut, dass es heutzutage das Internet gibt und man sich fast jeder Zeit sehen und hören kann.
In meinem Job lief es immer schlechter..er machte immer weniger Spaß und ich hatte kaum noch Lust hinzugehen. Sie verstanden weder, dass ich krank war, noch bekam ich Geld. Ich war immer genervter von meinem Chef, der das Arbeiten wirklich nicht erfunden hatte. Er hatte an allem und jedem (vorallem an mir) etwas auszusetzten. Er war die ganze Zeit nur in der Küche und rührte die Töpfe..mehr machte er nicht und konnte er auch nicht. Susan (meine Chefin und Besitzerin des Restaurants) war ganz okay. Es gab auch Momente in denen ich sie nicht leiden konnte oder ihrer komischen Denkweise nicht folgen konnte, aber mit ihr konnte man besser zusammenarbeiten, oder besser...öfter. Allerdings hörte sie immer auf ihren Mann, egal ob er im Unrecht war (er ist der Mann und basta..typisch chinesiche Kultur). So durfte sie auch die ganze Arbeit in der Küche erledigen, obwohl Doris und ich sie draußen bei uns brauchten. Und sofern sie aus der Küche war, machte er gar nichts...stand nur rum und anderen im Weg. Er brauchte 3-4 Stunden für eine Suppe, für die ein normaler Mensch vielleicht eine Stunde braucht. Susan musste mehr Babysitten als alles andere. Am Ende eines Arbeitstages musste Susan auch den ganzen Abwasch alleine machen...er saß im Restaurant und laß Zeitung..oder unterhielt sich mit anderen Leuten. Am Ende war es auch ER, der mich entließ. Er wollte es und Susan musste spuren. Jedoch bekam ich keine Erklärung warum. Ich denke mal, sie wollten mir nicht meine 5 Tage Urlaub bezahlen, was eigentlich so oder so nicht üblich ist in Kanada...jedenfalls zum größten teil. Und ich wollte mich, so glaube ich, zu sehr in den Job einbringen und meine Ideen teilen. Nun gut...am Ende war ich froh gehen zukönnen..auch ohne weitere Jobperspektive.
Der Regen scheint gar kein Ende mehr zunehmen...er fing im Oktober an und hält immernoch an...mit einem Tag Pause dazwischen..alle 2 Wochen vielleicht. Und das Ganze soll noch bis Mai so bleiben...wirklich deprimierend. Es ist 12-15 Grad warm und man hat keine Ahnung wie man sich am Besten anzieht, ohne eine Erkältung zubekommen. Man kann kaum etwas unternehmen, weil es regnet und auch einem das Geld dazu fehlt. Gerade jetzt, wenn man so oder so arbeitslos ist und mal wieder, wie eigentlich auch während eines Job, auf seine Ersparnisse zurückgreifen muss. Alles ist einfach zu teuer. Nicht mal ein Hobby kann man machen, da es entweder zu weit weg ist, oder zu teuer. . .selbst mit einem Job....
Es ist nicht alles so super, das Land und auch die Stadt ist schön, aber nicht unbedingt passend für jemanden der weder richtige Arbeitserfahrung noch eine Ausbildung hat....
Aber es ist gut solche Erfahrungen zumachen und sie mitzunehmen, wenn man einen neuen Lebensabschnitt startet. Es hilft einen, alles mit anderen Augen zusehen und sich Dinge mehrmals zuüberlegen. Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit habe, diese Erfahrungen machen zudürfen.
Ich wünsche euch noch ein frohes neues, gesundes und erfolgreiches Jahr 2010 :-)
Grüße euch alle ganz lieb,
die Gina