Was ich so alles in den letzten beiden Wochen getrieben habe.....
Erstmal....mir gehts gut und alles ist okay..:-)
Nachdem mein erster Arbeitstag eigentlich recht erfolgreich war, warteten schon die nächsten auf mich. An einem Tag verkaufte ich sogar Klamotten in einem Wert von 620 Dollars..:-)...da war ich soo stolz und passte kaum noch durch die Tür. Ich gewöhnte mich schnell an das lange Stehen und so konnte ich mich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren. Naja...eigentlich war nie was los, was sich bis heute auch noch nicht geändert hat. Insgesamt kommen an einem Tag vielleicht 20 Kunden in den Laden. So macht sich nach langem und bald völlig sinnlosen T-Shirts zusammenlegen, die Langeweile breit und man steht mehr oder weniger nur herum. Man macht schon fast einen Freudensprung, wenn ein Kunde um Hilfe bittet und man endlich was zutun hat. Teilweise tun mir die Kunden schon leid, weil man mehr oder weniger gleich zu ihnen hinläuft und sie über alle reduzierten Produkte aufklären muss und ob man nicht gleich behilflich sein kann....na gut..soweit zu meinem Job.
Nun zu meiner doch so reichlichen Freizeit....Logbucheintrag: Sternzeit 1400' Ortszeit Richmond Vancouver Gun Club ............... 30. September..............Tontaubenschießen!!!!!....
Es war endlich soweit. An einem Mittwoch hatte ich zum Glück den ganzen Tag frei und konnte mich ohne Hindernisse auf dem Weg nach Richmond machen...zum Tontaubenschießen, worauf ich sooooo lange gewartet hatte. Ich brauchte ca. 1,5 Stunden dorthin, aber das war es wirklich wert. Es war ca. 14 Uhr und ich kam auf dem Gelände an, welches größer ist, als ich gedacht hatte. Etwas weiter hinten sah ich ein paar Männer und hörte auch schon die ersten Schüsse. Ich begrüßte alle, stellte mich vor und erzähle meine kleine feine Geschichte zum Schießen und ob es denn nicht möglich sei, mein "Training" dort fortzufahren. Leider sind die Gesetze, was das Schießen betrifft, in Kanada sehr streng und man braucht eine Menge Papiere...die ich leider nicht habe. Doch nun versuchen Alle aus dem Verein, vorallem Zwei, die für die rechtlichen Sachen zuständig sind, mir zuhelfen und mir den Eintritt in der Club und das Schießen zuerleichtern bzw. möglich zumachen.
Alle waren sehr zuvorkommend und liebenswürdig, teilten ihre Pizza mit mir und unterhielten sich interessiert mit mir. Es machte mir richtig Spaß. Ich schaute etwas zu und war beeindruckt, wie gut sie doch zum Teil schießen....habe vergessen zu erwähnen das es SKEETSCHÜTZEN waren (die Trapschützen fingen erst später an).
Es wurde immer später und dadruch auch kälter, doch einer der Schützen gab mir seine dicke Fleecejacke, die ich anziehen durfte, was mal wieder die Freundlichkeit der Kanadier zeigt. Nachdem die meisten Skeetschützen gegangen waren, durfte ich außer der Regel endlich schießen. Normalerweise muss man einen ganzen Papierstapell ausfüllen und 15 CAD-Dollars plus die Munition bezahlen. Ich brauchte das nicht, und konnte kaum glauben wie nett alle waren. Es war einfach toll. Noch dazu war ich im Schießen viel besser als in Deutschland. Bei uns hab ich im Durchschnitt 4-5 Tauben von 15 getroffen und hier waren 15-16 von 25, also eine ganze Menge für einen Anfänger. Ich war richtig stolz auf mich.
Am Ende brachte mich ein Schütze sogar bis zur Skytrain Station, die 15 min mit dem Auto von der Schießanlage weg ist. Es war ein wirlich toller Tag, mit Menschen die so offen und freundlich sind, dass man es kaum glauben kann.
Am nächsten Tag war nun endlich der 01. Oktober und ich konnte in mein WG-Zimmer ziehen. Ich packte nach dem Frühstück all meine Sachen zusammen, rief ein Taxi und fuhr im störmenden Regen zu meinem neuen Zuhause. Der Schlüssel war im Grill im Garten :-P, ....sowas kennt man auch nur aus dem TV. Ich wurde gleich von einer meiner Mitbewohnerinnen lieb begrüßt und wir unterhielten uns super. Sie ist auch Deutsche und ist schon seit 4 oder 5 Monaten hier. Dann packe ich aus...endlich nicht mehr aus dem Koffer leben......Es war ein tolles Gefühl ein eigenes Zimmer zuhaben und mein neues Leben nun wirklich starten zukönnen.
Leider hatte niemand mir gesagt das ich Bettzeug brauchte...also ein Kissen, eine Bettdecke und einen Bettzeug. Naja, aber halb so schlimm...es gibt ja schließlich auf der ganzen WELT IKEA....also sind meine Mitbewohnerin Antje und ich zu IKEA und haben dort auch alles bekommen, was ich brauchte. Dann waren wir noch ganz lecker Sushi essen, was hier total günstig ist, teilweise sogar günstiger als wenn man selbst kochen würde.
Als wir wieder Zuhause waren, hab ich noch ein paar Fotos und natürlich die kanadische und deutsche Flagge an die Wand gebracht und schon war die erste Nacht im neuen Bett gekommen.
Am nächsten Morgen wachte ich auf und mir ging es super......bis ich aufgestanden bin...es war kalt...soooo bitterlich kalt. Das hat das Basement (der Keller) so an sich. Jeder von uns hat einen eigenen kleinen Heizlüfter, der auch fast den ganzen Tag läuft, wenn man da ist. Ansonsten wäre es sehr kalt in den Zimmern....so auch in der Küche....da ist leider kein Heizlüfter. In den Häusern hier gibt es im Keller nur selten eine Heizung. Aber wir haben ein Lüftersystem, mit dem man eigentlich das ganze Basement beheizen kann. Im Moment ist es noch zu "warm" dafür, wir würden sonst nur noch mehr Heizkosten zahlen müssen und der kleine Lüfter in jedem Zimmer bringt eine ganze Menge. Ab und zu muss man ihn sogar ausmachen, weil es einfach zu warm im Zimmer wird. Aber so ist das halt. :-) Man gewöhnt sich daran.
Jetzt wohne ich schon eine Woche hier und ich finde es Klasse. Meine Mitbewohner sind super nett und wir verstehen uns alle gut. Eine ist wie gesagt Deutsche, die andere, Caroline, kommt aus Québec und arbeitet hier als Übersetzerin für Englisch und Französisch bei den Olympischen Spielen. Dann haben wir noch einen Kerl, Adrian...er kommt eigentlich aus Kanada, aber aufgewachsen ist er auf den Philippinen. Oben im Haus wohnen ein Mädchen aus der Schweiz, eins aus Mexiko (glaub ich) und Juan mein Vermieter. Also ziemlich Multikulti :-).
Gestern hab ich das erste mal ein Eishockeyspiel gesehen von unseren berühmten Canucks. Es war ein Heimspiel und überall wo man hinsah, sah man nur Leute mich Canucks T-Shirts. Ich war mit ein paar Freunden in einer Bar das Spiel ansehen und es war toll. Wir hatten eine Menge Spaß und wir haben sogar haushoch gewonnen....gegen Montréal...Yuppie... :-) . Als ich dann nach Hause fuhr, waren alle Busse und Skytrains voll mit jubelnden Fans. Eine riesen Familie, fast so wie bei einem Fußballspiel, aber noch anders......kanadisch halt :-) Übrigens was bei uns das Fußballfieber ist, ist in Kanada das Eishockeyspiel.
Eigentlich kann einem hier gar nichts die Laune verderben....seit über einer Woche ist hier nur blauer Himmel und Sonnenschein und einigermaßen warm...über 15 Grad...
....Doch nach jedem Hoch kommt auch irgendwann ein Tief. Mein Job wurde mir vor zwei Tagen gekündigt. Sie hätten nichts mehr für mich und auch für drei andere Verkäuferinnen zu tun. Ich konnte einfach gehen. Damit habe ich nun gar nicht gerechnet, es wurde nicht einmal angedeutet. An dem Tag war ich traurig und bedrückt, schlief kaum und machte mir Gedanken warum, weshalb und wieso?! Aber wie ihr mich ja kennt, bin ich ein STEHAUFMÄNNCHEN...., so schnell lass ich mich nicht unterkriegen.... ich schrieb am nächsten Tag meine neuen Bewerbungen und machte mich auf die Socken, um einen neuen Job zufinden. Und, ich werde einen finden. Und sobald ich was neues habe, informiere ich euch.
Diesmal werde ich mein Glück in Restaurants versuchen, als Servicekraft. Dann kann ich wenigstens mein Englisch verbessern und mit Gästen sprechen, was sich bei meinem alten Job als schwierig erwiesen hat, weil kaum einer kam;-). Allerdings habe ich meine alte Chefin, nun mehr als Menschen kennengelernt, worüber ich sehr froh bin, denn sie ist als Privatperson wirklich nett und ganz anders als ich sie geschäftlich kennengelernt habe. Ich darf bei ihren Söhnen (2 und 4 Jahre alt) sogar Babysitten wenn ich möchte, und wir gehen vielleicht am Wochenende ins Kino.
Manchmal erweist sich was Schlechtes doch als Gutes.